Wissensbeitrag:
Power Integrity in High-Speed-Designs

Warum stabile Stromversorgung über High-Speed-Performance entscheidet

Viele High-Speed-Systeme zeigen unerwartete Fehler, obwohl Signalpfad und Logik korrekt ausgelegt sind. Schnittstellen reagieren instabil, Bitfehlerraten steigen oder das System verhält sich unter Last plötzlich unvorhersehbar.

In solchen Fällen liegt die Ursache oft nicht im grundlegenden Design, sondern in der Stromversorgung.

Mit steigenden Datenraten und sinkenden Versorgungsspannungen wird Power Integrity zu einem zentralen Faktor für die Systemstabilität. Die Stromversorgung ist dabei längst kein statisches DC-Thema mehr, sondern ein dynamisches Wechselstromproblem. Spitzen im Impedanzverlauf des Power-Delivery-Netzwerks (PDN) können aus Lastwechseln kritische Spannungsschwankungen machen, die sich direkt auf Jitter und Bitfehlerraten auswirken.

Warum es heute hohe Anforderungen an Power Integrity gibt

Die Anforderungen an moderne Systeme haben sich grundlegend verändert. Betriebsspannungen sinken oft unter 1 V, während gleichzeitig die Stromspitzen durch schnelle Schaltvorgänge massiv zunehmen.

Dadurch wird die Stromversorgung selbst zu einem hochfrequenten System, dessen Verhalten über die Stabilität des gesamten Designs entscheidet.

Ein zentraler Zusammenhang lässt sich dabei einfach formulieren:
Jeder Lastsprung erzeugt eine Stromänderung. Beinhaltet diese Stromänderung Frequenzkomponenten in der Nähe von Resonanzen im Versorgungsnetzwerk, entstehen unberechenbare Spannungsschwankungen. In High-Speed-Systemen reichen bereits kleinste Störungen aus, um die Signalqualität deutlich zu reduzieren.

Power Integrity betrachtet die Impedanz, um zu zeigen, wie VRM, PCB und Package gemeinsam die Stromversorgung beeinflussen. Während links die einzelnen Beiträge dargestellt sind, zeigt rechts das Gesamtsystem inkl. kritischer Resonanzen.

Wenn Versorgungsspannung zum Störfaktor wird

Moderne elektronische Systeme enthalten zahlreiche Komponenten, die besonders empfindlich auf Störungen in der Versorgung reagieren. Dazu zählen unter anderem Taktgeneratoren, PLLs oder analoge Frontends.

Bereits geringe Störungen im Mikrovolt-Bereich können dazu führen, dass sich das Timing eines Signals verändert. Diese Effekte äußern sich typischerweise in erhöhtem Jitter oder steigenden Bitfehlerraten.

Besonders kritisch wird es, wenn sich Resonanzen im PDN ausbilden. So können sich diese überlagern und zu starken Spannungsschwankungen führen.

Diese Effekte treten oft nicht kontinuierlich auf, sondern nur unter bestimmten Betriebsbedingungen. Deshalb sind sie in der Praxis schwer zu reproduzieren und werden häufig erst spät im Entwicklungsprozess – in der Hardware Evaluierung – sichtbar.

Wie Power-Integrity-Probleme sichtbar werden

Power-Integrity-Probleme äußern sich selten direkt, sondern zeigen sich meist indirekt im Systemverhalten. Typische Symptome sind:

  • instabile Schnittstellen
  • erhöhte Jitter-Anteile
  • sporadische Kommunikationsfehler
  • nicht reproduzierbare Systemzustände

Ein zentrales Analysewerkzeug ist die Betrachtung der Impedanz über die Frequenz. Ein stabiles Versorgungssystem zeichnet sich durch einen möglichst flachen Impedanzverlauf aus.

Resonanzspitzen hingegen führen dazu, dass bestimmte Frequenzbereiche besonders anfällig für Störungen sind. Genau in diesen Bereichen entstehen dann die typischen Instabilitäten.

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Wie überprüft man, ob das Design funktioniert?

Eine zuverlässige Bewertung von Power Integrity erfordert immer die Kombination aus Simulation und Messung.

Klassische Schaltplansimulationen reichen für moderne Designs nicht mehr aus. Sie berücksichtigen häufig nicht die parasitären Effekte der Leiterplatte wie Induktivitäten von Vias oder die Eigenschaften von Versorgungsflächen.

Elektromagnetische Simulationen ermöglichen es, diese Effekte bereits in der Designphase zu berücksichtigen. Ziel ist es, das Versorgungssystem auf eine definierte Zielimpedanz hin zu optimieren, bevor die erste Hardware gefertigt wird.

Messung im realen System

Die Validierung erfolgt im Labor. Dabei steht nicht die Spannung allein im Fokus, sondern das Verhalten des PDN über die Frequenz.

Ein etabliertes Verfahren ist die 2-Port Shunt-Through-Messung, mit der sich sehr kleine Impedanzen im Milliohm-Bereich präzise erfassen lassen. Diese Methode bietet ausreichend Dynamikbereich, um reale Effekte sichtbar zu machen und Kontaktwiderstände zu minimieren.

Vektor-Netzwerkanalysatoren ermöglichen es, das Impedanzprofil des Power-Delivery-Netzwerks direkt zu messen und mit der Simulation zu vergleichen.

Zusätzlich kann die Stabilität von Spannungsreglern im laufenden Betrieb analysiert werden, ohne das System zu verändern. Dadurch lassen sich Instabilitäten frühzeitig erkennen, bevor sie zu Fehlern im Feld führen.

Omicron Lab – Bode 100 / 500

Was ein gutes Power-Integrity-Design auszeichnet

Ein stabiles Versorgungssystem entsteht nicht zufällig, sondern ist das Ergebnis gezielter Designentscheidungen, sinnvoller Simulation und präziser, messtechnischer Evaluierung.

Wichtige Grundprinzipien sind:

  • Früh beginnen: Power Integrity muss bereits in der Konzept- und Pre-Layout-Phase berücksichtigt werden
  • Flache Impedanz sicherstellen: Ein gleichmäßiger Impedanzverlauf ist entscheidend für stabile Systeme
  • Resonanzen vermeiden: Unkontrollierte Kombinationen von Bauteilen können kritische Peaks erzeugen
  • Kondensatoren gezielt auswählen: Bauteile mit definiertem ESR helfen, Resonanzen zu dämpfen
  • Leitungsinduktivität minimieren: kurze Wege, breite Flächen und geeignete Stackups sind entscheidend
  • Regler nahe an der Last platzieren: reduziert parasitäre Effekte und verbessert die Dynamik

Besondere Vorsicht ist bei scheinbar einfachen Lösungen wie Ferritperlen geboten. Werden sie falsch eingesetzt, können sie zusätzliche Resonanzen erzeugen und das System destabilisieren.

Power Integrity und Signal Integrity gehören zusammen

In der Praxis lassen sich Signal- und Power-Integrität nicht getrennt betrachten.

Störungen in der Versorgung wirken sich direkt auf die Signalqualität aus. Ein instabiles Power-Delivery-Netzwerk führt zu erhöhtem Jitter, reduziert die Augenöffnung und verschlechtert die Bitfehlerrate.

Ein System kann daher signaltechnisch korrekt ausgelegt sein und dennoch instabil arbeiten, wenn die Stromversorgung nicht ausreichend stabil ist.

Messtechnisch kann das zB mit der Power Integrity Applikation in vielen Oszilloskopen erfasst werden – in dieser Applikation kann messtechnisch verifiziert werden, welchen Einfluss die Supply Line auf die Signalpfade hat, und wie sich das digitale Signal ohne die Störung durch die Supply Line verhalten würde.

Power Integrity Analysis with N7020A and N7024A Power Rail Probes

Probleme früh erkennen statt später debuggen

Werden Power-Integrity-Probleme erst im fertigen System sichtbar, sind die notwendigen Anpassungen häufig aufwendig und kostenintensiv. Änderungen am Layout, zusätzliche Filter oder Anpassungen der Versorgungstopologie führen oft zu Verzögerungen im Projekt und erhöhen die Entwicklungskosten. Eine frühzeitige Analyse des Versorgungssystems ermöglicht es, potenzielle Schwachstellen bereits in der Designphase zu identifizieren und gezielt zu beheben.

Ein stabiles High-Speed-System beginnt daher nicht beim Signal, sondern bei der Versorgung.

Power Integrity verstehen und gezielt messen

In unserem Webinar zeigen wir anhand realer Messbeispiele, wie Signalintegritätsprobleme entstehen und wie sie frühzeitig erkannt werden können.

In praxisnahen Beispielen zeigen wir, wie sich Signalveränderungen entlang des Übertragungspfads sichtbar machen lassen und welche Messmethoden sich im Entwicklungsalltag bewährt haben. Ziel ist es, ein Verständnis dafür zu vermitteln, wie physikalische Effekte messbar werden und wie daraus konkrete Maßnahmen für stabile High-Speed Designs abgeleitet werden können.

Das Webinar richtet sich an Entwicklerinnen und Entwickler, die High-Speed Designs zuverlässiger auslegen möchten und typische Signalprobleme frühzeitig erkennen wollen, bevor sie in späteren Projektphasen zu aufwendigen Anpassungen führen.

Teilnahme kostenfrei | Für Entwickler und Systemverantwortliche im High-Speed Umfeld | Dauer ca. 45 Minuten | inkl. Fragerunde

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Nicht jede High-Speed Anwendung stellt die gleichen Anforderungen an Bandbreite, Messmethodik oder Setup.

Gerne unterstützen wir Sie bei der Auswahl der passenden Messlösung für Ihre konkrete Anwendung.

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